The skin as a protective mantle and its own protection

Die Haut als Schutzmantel und ihr eigener Schutz

Die Haut bildet die äussere Schutzschicht des menschlichen Körpers. Sie ist in sich ein Verband von verschiedenen Zelltypen und in Schichten aufgebaut, lebende, stoffwechselaktive Zellen in der Tiefe, Sinneszellen für Tast- und Temperatursinn, sowie trockene Hornzellen als oberste Schicht. Die Haut ist ein faszinierendes Zusammenspiel von verschiedenen Prozessen und zahlreichen biologischen Strategien, die Schutzfunktion bestmöglich zu erreichen. Um die Haut optimal zu pflegen, ist es sinnvoll die wichtigsten Prozesse und Elemente dieses Zusammenspiels zu kennen, sie zu unterstützen und möglichst wenig zu stören. 

Da sind zunächst die Hautzellen, die wir als Gewebe spüren. Sie standen lange im Vordergrund, wenn man über die Haut sprach. Dann sind Substanzen wichtig, wie die von der Haut gebildete Lipidschicht, eine Mischung, die durch die Poren der Haut austritt und sich als feiner Film «aufschmilzt». Sie hält nicht nur die äussere Haut geschmeidig, schützt so vor Rissen, sondern wirkt auch immunologisch aktiv. Zu den Substanzen auf der Haut gehören von der Haut ausgeschiedene Stoffe, die den pH-Wert bestimmen, den man als Säureschutzmantel bezeichnet. In der jüngeren Vergangenheit gewann noch das Mikrobiom der Haut zunehmend Aufmerksamkeit, da man die Bedeutung der Bakterien im Zusammenwirken mit dem Gesamtorganismus und speziell mit dem Immunsystem immer besser verstehen lernt. So leben auf der Hautoberfläche Bakterien, mit denen wir in Symbiose leben ganz entsprechend wie im Dickdarm und anderen Körperregionen. Jeder Mensch hat seine spezifische, gesunde Bakterienflora, die sich aus unterschiedlichen Bakterienstämmen zusammensetzt. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Hautgesundheit und muss in unsere Hautpflege integriert sein. Sie können durch Substanzen in Hautpflegemitteln empfindlich gestört werden. So bilden Lipidschicht, Säureschutzmantel und das Mikrobiom der Haut eine Ebene, die wichtig ist und auf den eigentlichen Hautzellen aufliegt. Dann folgen von aussen nach innen verschiedene Zellschichten.

In den letzten Jahren konnten spektakuläre Erkenntnisse über das Immunsystem der Haut gewonnen werden, die entscheidend beitragen, mögliche Störungen dieses feinen Zusammenspiels besser zu verstehen. Dies bildet die Voraussetzung, dass wir in der Pflege unsere Haut immer geeignetere Produkte entwickeln können, die die Gegebenheiten des Körpers besser respektieren und wir mit den Produkten in das eingespielte Miteinander der verschiedenen Elemente weniger störend eingreifen, als das in der Vergangenheit aus Unkenntnis der Fall war. Das trägt entscheidend zur Erhaltung der Hautgesundheit bei. Denn jede Störung in einem Anteil wirkt sich auf die Stabilität oder eben Anfälligkeit für Hauterkrankungen insgesamt aus.

Beispielsweise sorgt die ausgewogene Besiedelung mit bestimmten Bakterienstämmen dafür, dass sich keine fremden Bakterien, Viren oder Pilze ansiedeln können. Die eigene angestammte Bakterienflora sorgt damit dafür, dass das Immunsystem gar nicht erst aktiv krankheitserregende Organismen abwehren muss. Stört man diese Flora aber beispielsweise durch die übermässige Pflege oder durch Konservierungsstoffe in Körperpflegemitteln, kann diese Flora geschädigt werden und wird dieser Abwehrfunktion nicht mehr gerecht. Auch wenn dauerhaft zugesetzte Substanzen die Haut bedecken, kann der Säureschutzmantel verändert werden, was wiederum das Gleichgewicht der verschiedenen Bakterienstämme verschiebt.

Immer differenzierter werden die Kenntnisse verschiedener Zelltypen, die aktiv zum Immunsystem der Haut beitragen. Diese wandern durch das Netzwerk von Hautzellen und ermöglichen spezifische Reaktionen, wenn die Haut einmal geschädigt oder angegriffen ist. Das Zusammenwirken aller Prozesse in der Haut sind so wichtig und vielfältig, dass sich ein neues Fachgebiet gebildet hat: die Dermatoimmunologie. In dieses Fachgebiet gehört auch die Wundheilung, die auf das Engste mit dem Immunsystem und dem eigentlichen Hautstoffwechsel sowie der Regenerationsfähigkeit der Zellen verbunden ist. Das komplexe Immunsystem der Haut ermöglicht demnach neben einem effektiven Schutz vor Erregern, eine schnelle Wundheilung, ständige Regeneration, sowie eine Toleranzentwicklung gegen harmlose Antigene. 

Die Hautpflege und die hierzu notwendigen Produkte entwickelnden Kosmetikhersteller haben ihrerseits die Chance aber auch die verantwortliche Aufgabe, dieses Wissen in den Produkten zu integrieren und zu unterlassen, was dieses faszinierende Zusammenspiel stören würde. Sonnenschutzprodukte spielen hierbei auf mehreren Ebenen eine wichtige Rolle: Sie schützen die Haut unmittelbar vor UV-Schäden und tragen damit direkt zur Gesunderhaltung bei. Ein Sonnenbrand ist eine ernstzunehmende Hautschädigung, die bei Wiederholung nachweisbar die Anfälligkeit für Hautkrebs (Melanome) steigert. Gleichzeitgig dürfen die in der Sonnencreme enthaltenen Substanzen wiederum die Hautprozesse nicht stören. Gerade in der Wärme der Sonnenexposition, beim Baden oder in den Bergen, muss die die Haut Hochleistungen vollbringen, um die eigene Stabilität zu bewahren. Deshalb müssen insbesondere Sonnenschutzprodukte fein auf die Bedürfnisse der Haut abgestimmt sein: sie selbst sind «Hochleistungsprodukte», die wissenschaftlich gut fundiert und immer wieder neu überprüft werden müssen. Sie sollen für einen zusätzlichen Schutz sorgen, den Schutz vor UV-Strahlen, dürfen aber das Zusammenspiel der verschiedenen Prozesse der Haut nicht stören.


Prof. Dr. med. Urs Pohlman

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